Information zur Terminlage im laufenden Jahr 2025 Die Terminlage in unserer Praxis gestaltet sich für das Jahr 2025 wie auch in nahezu allen anderen Praxen äußerst prekär. Terminwartzeiten für Vorsorgeuntersuchungen sowie begrenzte therapeutische Behandlungen liegen derzeit bei drei bis vier Monaten, für aufwändigere Behandlungen wie Zahnersatz bei sechs bis sieben Monaten. Kurzfristige Termine können nur bei Absage anderer Patienten realisiert, Schmerzbehandlungen müssen in den bereits vorhandenen, eng bestückten Terminplan integriert werden. Neuaufnahmen von Patienten sind nicht möglich, da wir seit langer Zeit über das bestehende Kräftepotential hinaus arbeiten. Ende März wird die zahnärztliche Niederlassungsquote in Nordwestmecklenburg bei ca. 50-55% liegen. Dies bedeutet, dass die Hälfte der benötigten Kollegen fehlen wird. 2024 schlossen allein im Raum Grevesmühlen/Gadebusch sechs Zahnärzte ihre Praxis ohne Nachfolger, Ende März schließt eine weitere Doppelpraxis. Das setzt ein Potential von mindestens 15.000 Patienetn frei, die aller Voraussicht nach keinen Nachbehandler mehr finden werden. Wöchentlich erreichen uns mehrfach Anrufe mit der Bitte um Aufnahme, mittlerweile viele auch aus den statistisch noch überversorgten Gebieten Wismar und Schwerin. Die Statistiken zu Niederlassungsquoten sind mittlerweile über 30 Jahre alt und berücksichtigen nicht die eklatante Zunahme bürokratischer Prozesse, die in den einzelnen Praxen erhebliche Kräfte fordern. Rechnete man diesen erzwungenen Zeitverlust an Therapie mit ein, läge die Niederlassungsquote in Nordwestmecklenburg nur noch bei 30 bis 35%. Diese Entwicklung ist bereits mindestens seit 2010 abzusehen gewesen, blieb in der politischen Reaktion trotz standespolitischer und auch vielfach durch uns persönlicher Anstrengungen unberücksichtigt. Unsere Patienten wissen seit vielen Jahren, dass wir durchaus bemüht sind, Unmögliches möglich zu machen. Mit Rücksicht auf die kritische Gesamtsituation ist es jedoch unabdingbar, aus unserer Sicht aufschiebbare Untersuchungen und Therapien immer weiter zu verlagern. Nur so ist es überhaupt noch möglich, unmittelbar notwendige Behandlungen sicherstellen zu können. Rasanter Abwärtstrend in den zahnärztlichen Niederlassungszahlen War der Kreis Nordwestmecklenburg bei unserer Niederlassung 1994 noch zu 96% des Plansolls zahnärztlicher Praxen versorgt, wird diese statistische Größe Ende 2024 voraussichtlich eine Dichte von nur noch 50% erreicht (Stand Januar 2022). Insbesondere in den letzten zwei Jahren war eine Schrumpfung von über 10% zu verzeichnen. Es fehlen damit in NWM insgesamt über 30 Zahnärzte. Allgemein liegen in Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile ca. 80% aller Niederlassungsgebiete unter 100%, die meisten deutlich unter 100%. Nur in vier Ballungsgebieten erreichen die Zahlen Größenordnungen über 100%, allerdings auch hier mit abnehmender Tendenz. In insgesamt 16 Bereichen MV`s werden seit Jahren Nachfolger für Praxen gesucht, zumeist vergeblich. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen, da ein sehr hoher Anteil der Kollegen bereits kurz vor der Verrentung steht. Durch die stetig wachsenden Belastungen ohne Aussicht auf Abhilfe schließen viele Praxen bereits vor dem Erreichen des Regelrentenalters. Von den zu Zeiten unserer Praxisgründung 1550 Zahnärzten werden Ende 2029 voraussichtlich nur noch 650 Zahnärzte übrig bleiben. Beide Zahnärzte der Praxis halbieren ihre Kassenzulassung Die scheinbar unbegrenzt wachsenden Belastungen im Praxisalltag mit immer weiterer Entfernung von der eigentlichen zahnärztlichen Behandlung haben uns nach lang reifender Entschlussphase dazu bewogen, die Zulassung zu halbieren. Mit Rücksicht auf die physischen und mentalen, damit gesundheitlichen Auswirkungen war dieser Schritt unvermeidbar. Dadurch reduzieren sich die offiziellen Sprechzeiten von ursprünglich einmal 38 auf 12 Wochenstunden. Zusätzlich bieten wir Behandlungszeiten nur für Bestellpatienten an. Es war uns wichtig sicherzustellen, jedem Patienten bei der Therapie die ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen zu können und dies mit voller Kraft und auch noch Freude am Beruf tun zu können. Teure nutzlose Telematikinfrastruktur Seit mindestens fünf Jahren malträtiert uns die insbesondere von Ex-Bundesgesundheitsminister Spahn forcierte Einführung der Telematikinfrastruktur. Der damit beabsichtigte Datenaustausch zwischen allen Beteiligten im Gesundheitwesen entwickelt sich zur Farce: Kosten ohne Ende, wiederholt gestörte Funktionabilität mit hohem Aufwand in den Praxen, Datensammelwut der Kassen und der zu stellenden Frage nach dem `gläsernen Patienten` sowie ein ungebremster Kontrollwahn lassen die Sinnhaftigkeit des Systems mehr als hinterfragen. Das aktuellste Problem stellen neue Krankenversichertenkarten dar, die innerhalb der Kartenlesegeräte durch elektrische Entladungen zu Kurzschlüssen führen, die vielfach Resets der Lesegeräte, PC`s, manchmal auch der sogenannten Konnektoren erfordern - ein Problem, das den Praxisalltag zusätzlich belastet… Neue Richtlinie für Zahnfleischbehandlungen ab Mitte 2021 Die neuen Festlegungen zur Durchführung von Zahnfleischbehandlungen bei betroffenen Patienten führen zwar zu einem deutlich erhöhten bürokratischen Aufwand für zahnärztliche Behandler und Praxen, sichern Behandlungsbedürftigen jedoch innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren nach Therapie eine wiederholte Betreuung und Überwachung zu, bei denen die Krankenkassen nunmehr auch Leistungen übernehmen, die sonst nicht oder nur als freiwillige Zusatzleistung teilweise bezuschusst wurden. So ist es jetzt möglich, innerhalb des Rekonvaleszenzzeitraumes von 24 Monaten je nach Schädigungsgrad des Zahnhalteapparates vier bis sechs Zahnreinigungen voll zulasten der Kassen durchführen zu lassen. Voraussetzung dafür ist die Einhaltung regelmäßiger Kontrollsitzungen durch die Patienten. Bonusheftregeln kulanter gestaltet Galt bisher, dass bei nur einem fehlenden Jahr der Vorsorgeuntersuchung der Bonus bei Festzuschüssen der Krankenkassen zu Zahnersatz gänzlich verloren ging, so ist diese Regelung nun im Sinne der Patienten kulanter gestaltet worden. Zukünftig können Betroffene bei nur einem fehlenden Jahr innerhalb einer ansonsten ununterbrochenen Kette von nachgewiesenen Vorsorgeuntersuchungen bei Ihrer Krankenkasse Kulanz beantragen im Zusammenhang mit der Einreichung von Heil- und Kostenplänen für Zahnersatz. Die Kassen haben dann die Möglichkeit, trotz des einen fehlenden Stempels den vollen Zuschuss zu gewähren. Hier müssen jedoch die Patient(inn)en aktiv werden und Kontakt mit ihrer Kasse aufnehmen. Ohne Ihren Druck als Patienten auf Verantwortliche erreichen wir nichts - beschweren Sie sich, wenn Sie Ihre Gesundheitsversorgung als gefährdet ansehen, wenn Sie keinen Facharzttermin mehr bekommen, wenn Sie lange Terminwartezeiten hinnehmen müssen - übernehmen Sie eigene Verantwortung und unterstützen uns. Beschwerdestellen 1 . Ihre Krankenkasse ist der erste Anlaufpunkt. Verlangen Sie ggf. die Vermittlung eines Arztes. Schildern Sie die Versorgungsnotlage. 2 . Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern, Werderstraße 124, 19055 Schwerin, Telefon: 0385-588 0, E-Mail: poststelle@sm.mv-regierung.de 3 . Petitionsausschuss Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Lennéstraße 1, 19053 Schwerin, Telefon 0385 / 525-1514, elektronisch Petition einreichen: https://ltmv.ftapi.com/secuform/portal/petition-an-den-landtag-mecklenburg-vorpommern 4. Bundesministerium für Gesundheit, 11055 Berlin, Telefon: 030 18441-0, Kontaktformular: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/kontakt/kontaktformular.html 5. Deutscher Bundestag, Petitionsausschuss, Platz der Republik 1, 11011 Berlin, Telefon: +49 (0)30 227 35257, E-Mail: post.pet@bundestag.de 6. Sie können ebenfalls jede politische Partei kontaktieren, insbesondere die Bundestagsabgeordneten Ihres Wahlkreises.