Ritter der Morgenröte Wo aus Zauber tausend Wunder blühn, sah ich der Morgenröte Ritter stehn. Gefügt im Sattel, umhüllt vom Stahl, sprungbereit sein Ross bei erstem Strahl. Die Ungeduld aus schlagend Hufen tönt, voll Donner `s tief durch Täler dröhnt. Urgewalt des Hengstes Lenden spannt. Ihn nur des Reiters Muße bannt. Ein letztes Mal in früher Stunde hebt er den Gral zu seinem Munde. Vom göttlich Nektar ward er verjüngt, sein Haupt verneigt sich vorm Olymp. Doch nun, nach seines Ritters Schlag, kein Zaum das Ross zum Halt vermag. Es bäumt sich auf mit wilder Mähne, auf dass es niemals jemand zähme. Sein Sprung den nächt`gen Sturm bezwingt, sein Huf auf mächt`gem Felsen klingt. Die Nüstern saugen Reif von Fluren und fauchen Feuers Funkenspuren. Der Reiter gibt ihm volle Sporen, am Firmament wird Tag geboren. Und wie das Ross den Bogen spannt, an dem des Helios Weg sich bahnt, lässt die Beschwer den Geifer zischen aus seines Maules tiefsten Nischen. Da, wo die Gischt den Boden greift, ein frischer Quell des Lebens reift. Und aus der Erde ganzer Kraft ein Meer von Blüten neu erwacht, als Hufes Schläge Samen wecken und all die Pracht zum Himmel recken. Der Ritter, kraftvoll und behände, schwingt nun das Schwert aus der Legende. Und als die Erde vor ihm knieet, des Stahles Spitze Furchen ziehet, wo Ackers Früchte Ähren wiegen, in denen sich Verliebte schmiegen. Und als die Lanz die Scholle bohrt, erwächst ein machtvoll Eichenhort, zerbricht der Armbrusts spitzes Eisen an Jungfers huldgereichten Weisen. Des Reiters letzte Schuld verfällt, streift er den Harnisch in die Welt. Und wo sein Kleid den Grund berührt, des Weihers Nymphe dich verführt. Derweil aus seinem Helme steigen eintausend bunte Vogelreigen. Am Horizont das Licht pulsiert, der Reiter seinen Thron verliert. Er stürzt ins Feld der Ehr` hinab, mit Ruhm bedeckt die Ruhestatt. Das Ross, es stürmt im Zeitenfluss dahin als letzter Pegasus gen Himmelsblau am Firmament, wo es im Stern des Feuers brennt. Hoch droben in des Zeus Olymp, wo Moiras Faden Schicksal spinnt, ist schon der ew`ge Eid geschworen. Denn Ross und Reiter sind erkoren, auf gleiche Weis` in Treu zu ringen, ein jeden Tags Magie zu bringen. TK miraculum 2021